BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Grüner Ortsverband Wedel

Ätzender Partikelregen - Welche Handlungsoptionen hat die Stadt?

Anfrage zum Kohlekraftwerk Wedel – aktuelle Situation, Partikelablagerungen und Unterstüt- zung der Anwohnerschaft, UBF 12.02.2026

Die Verwaltung wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

  1. In welcher Form steht die Stadt Wedel aktuell im Austausch mit den Hamburger Energiewerken zu den Auswirkungen des Kraftwerksbetriebs auf die Nachbarschaft/anliegende Wohnviertel?

  2. In welcher Form steht die Stadt Wedel aktuell im Austausch mit den Hamburger Energiewerken zur Ablösung des HKW Wedel?

  3. Sind der Stadt Beschwerden über neuerliche Partikelablagerungen bzw. Schäden an Fahrzeugen oder Grundstücken bekannt? Falls ja, wie wird mit diesen Meldungen verfahren?

  4. In welcher Form tritt die Verwaltung gegenüber den Hamburger Energiewerken bei wiederkehren- den Schadensmeldungen auf (z. B. Einzelmeldungen, Sammelmeldungen, Gespräche auf Verwaltungsebene)?

  5. Hat die Stadt die Veränderung der Regulierungspraxis (z. B. nur noch Waschgutscheine statt weitergehender Regulierung) gegenüber den Hamburger Energiewerken thematisiert und setzt sich die Verwaltung für eine angemessene Entschädigung der Anwohnerinnen und Anwohner ein?

  6. Welche Handlungsmöglichkeiten sieht die Verwaltung, wenn sich Schäden oder Belastungen wiederholt bestätigen?

  7. Beabsichtigt die Verwaltung, sich gegenüber Landesbehörden oder der Eigentümerseite aktiv für eine verbindliche Regelung des Umgangs mit Schäden einzusetzen?

  8. Hat die Stadt geprüft, ob ordnungs- oder immissionsschutzrechtliche Maßnahmen angestoßen werden können? Gab es eine Kontaktaufnahme zu den Aufsichtsbehörden?

Begründung:

Ziel der Anfrage ist es, zu einer sachlichen Klärung beizutragen, Transparenz zu schaffen und die Stadt Wedel in ihrer vermittelnden Rolle zu stärken, damit berechtigte Anliegen der Anwohner*innen am Kohlekraftwerk nachvollziehbar und möglichst einvernehmlich gelöst werden können.
Der Weiterbetrieb eines der ältesten noch in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerke Deutschlands in Wedel hat sich aufgrund von baulichen Verzögerungen bei der Umstellung der Fernwärmeversorgung auf erneuerbare Energien erneut um ein Jahr verlängert. Die Ablösung des Kohlekraftwerks durch den Hamburger „Energiepark Hafen“ ist nunmehr für Ende 2026 vorgesehen. Damit bleibt die Anlage weiterhin Teil der regionalen Wärmeversorgung von Hamburg.

Die letzte Vor-Ort-Besichtigung (Behördeninspektion) des Betriebsbereichs des Heizkraftwerks Wedel wurde durch die zuständige Behörde im Jahr 2023 durchgeführt*. So ist es online bei Hamburg Ener- gie zu lesen. Nach dieser Inspektion bzw. seit 2025 treten ätzende Partikel-Emissionen des Kohle- kraftwerkes jedoch wieder vermehrt auf. Wir bezweifeln schon seit Jahren, dass das partikelspu- ckende Kohlekraftwerk Wedel dem Stand der Technik entspricht. Wir haben uns massiv für eine Still- legung des HKW Wedel eingesetzt, falls die Partikelauswürfe nicht technisch abgestellt werden.

Dipl.-Ing. Tebert, Themenfeldleiter „Industrieemissionen und BVT“ des renommierten Instituts Ökopol, kam in seiner Stellungnahme 2020 zum Partikelauswurf des HKW Wedel zu dem deutlichen Schluss, dass das Heizkraftwerk Wedel nicht dem Stand der Technik entspricht:
„Die Anzahl der Partikelniederschläge und die damit verbundenen Schäden sind in ihrer Art und Aus- wirkung ungewöhnlich. Vergleichbare Schäden sind von keinem anderen Kraftwerk bekannt. Die BVT-Merkblätter (BVT = Best Verfügbare Technik) für Großfeuerungsanlagen beschreiben nicht den Austritt von gesundheitsgefährdenden und Sachschäden verursachenden Partikeln als typische Um- weltauswirkung von Kohlekraftwerken. Während also offensichtlich andere Kraftwerke Techniken nut- zen, die den Austritt von gesundheitsgefährdenden und Sachschäden verursachenden Partikeln ver- meiden, ist die Technik des HKW Wedel seit mehreren Jahren nicht mehr dazu geeignet, Emissionen  und damit negative Auswirkungen auf die Umwelt zur Erreichung eines allgemein hohen Schutzni- veaus für die Umwelt insgesamt zu vermeiden oder zumindest so weit zu vermindern, dass bei süd- östlichen Windrichtungen keine Lackschäden auftreten und Gesundheitsgefahren mit Sicherheit ver- mieden werden können.”

Da es auf unsere Nachfrage laut Hamburg Energie keine größeren technischen Maßnahmen in den vergangenen Jahren gab, um die Partikelausstöße konsequent zu unterbinden, ist davon auszuge- hen, dass das marode Kraftwerk auch heute noch nicht dem Stand der Technik entspricht.
Unsere Grüne Fraktion ist mit der Aufsichtsbehörde SH (Landesamt für Umwelt – Immissionsschutz) als auch mit Hamburg Energie in den Austausch gegangen, um weitere technische Maßnahmen ge- gen die Partikelausstöße zu erreichen. Wir erhielten u.a. die Antwort, dass das Kraftwerk dem Stand der Technik entspräche und entsprechende Maßnahmen für diesen Anlagentyp ausgeschöpft seien.

Deswegen möchten wir nun zusätzlich auf eine vermittelnde Rolle der Stadtverwaltung setzen. Denn Anwohnerinnen und Anwohner im kraftwerksnahen Bereich – insbesondere am Elbhochufer – ber- ichten wieder verstärkt über Partikelablagerungen auf Fahrzeugen und Grundstücken. Dabei werden auch konkrete Sachschäden geschildert, etwa Lackschäden. Nach Darstellung der Betroffenen seien in der Vergangenheit starke Verschmutzungen durch Gutscheine für Autowaschstraßen kulant entschädigt worden, teilweise auch Schäden zumindest auf Kulanzbasis reguliert worden. Dagegen würden aktuell häufig selbst Reinigungsleistungen nicht durch die Hamburger Energiewerke ange- boten.

Kulanter Schadenersatz für Lackschäden wird ebenfalls nicht geleistet. Dies wird von den Anwoh- nerinnen und Anwohnern als Verschlechterung gegenüber früheren Regelungen wahrgenommen. In öffentlichen Äußerungen aus dem Jahr 2020 wurde von Betreiberseite ein kulanter Umgang mit Verschmutzungs- und Schadensmeldungen bis zur Ablösung des Kraftwerks angekündigt. Vor diesem Hintergrund besteht bei Anwohnerinnen und Anwohnern ein erhöhter Klärungsbedarf hinsichtlich der aktuellen Regulierungspraxis.

Die Stadt Wedel ist nicht Betreiberin der Anlage, wird jedoch als Ansprechpartnerin wahrgenommen und nimmt damit eine wichtige moderierende Rolle zwischen Bevölkerung, Betreiber und Fachbehörden ein.

Aus der Kommunalpolitik in Wedel dürfte als gesichert gelten, dass alle Fraktionen sich die Abschaltung des ältesten Kohlekraftwerkes in Deutschland am liebsten sofort wünschen.

Das Beispiel Kohlekraftwerk Wedel zeigt es deutlich: Kohlekraftwerke sind Fossilien der Energiewirtschaft und müssen so schnell wie möglich durch saubere, moderne erneuerbare Energien abgelöst werden.

Unsere Grüne Fraktion möchte mit dieser Anfrage anregen, dass die Verwaltung in den Austausch mit den Kraftwerkbetreiber/Aufsichtsbehörden geht. Die Anwohnerinnen und Anwohner sollten kulant entschädigt und der technische Zustand des Kohlekraftwerks auf Herz und Nieren überprüft werden.

Für die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen:
Tobias Kiwitt, Petra Kärgel, Holger Craemer, Ralf Sonntag

Die Antworten der Verwaltung auf unsere Anfrage sind auch schon da, kurzes Fazit:

Eine behördliche Zuständigkeit der Stadt Wedel gibt es eindeutig nicht. Sollte die Stadtverwaltung bezüglich der Regulierungspraxis der Hamburger Energiewerke direkt von Bürgerinnen und Bürgern in diesem Kontext kontaktiert werden, würde sie als Mittlerin unterstützen und den direkten Kontakt zu Hamburg Energie suchen.

Petra Kärgel, Vorsitzende des Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschusses (UBF-A), hat die Hamburger Energiewerke in den kommenden Ausschuss am 16. April eingeladen, um über den Stilllegungsprozess des Kohlekraftwerks sowie über den aktuellen Stand des Hamburger Energieparks "Dradenau" zu informieren. Wenn der Energiepark läuft, geht das HKW Wedel vom Netz - geplant zum Jahreswechsel 2026/27.

Unsere Landtagsabgeordnete Ulrike Taeck, Energiepolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, wird ebenfalls in den Ausschuss kommen, um sich über die Situation und alle Abläufe zu informieren.

Foto/Text: Petra Kärgel 18.03.2026



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Wo? Bibliothek der Gebrüder-Humboldt-Schule, Rosengarten 18

Die Veranstaltung ist für alle offen und kostenfrei!

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