Kommt nach dem Lockdown der Breakdown für Wedels City?

Liebe Grüne in Landtag, Landesvorstand und Koalitionsausschuss,

wir übertreiben nicht: Bei uns in Wedel bahnt sich eine Katastrophe an – wirtschaftlich, stadtplanerisch und sozial. Aufgrund der lange andauernden Corona-Einschränkungen droht unserem gewachsenen Einkaufs- und Dienstleistungszentrum rund um die Bahnhofstraße nach dem Lockdown der endgültige Breakdown.

Wir wissen, dass diese Probleme nach Monaten der Zwangsschließung auch in an-deren Städten und Gemeinden auftreten; ebenso wissen wir, dass wichtige Bereiche wie Kultur, Gastronomie, Sport, Freizeit- und Übernachtungsgewerbe genauso betroffen sind wie der Einzelhandel, beschränken uns hier aber auf unsere Stadt und diesen einzelnen Teilaspekt.

Etliche, vor allem inhabergeführte Läden und Dienstleistungsbetriebe, haben finanziell das Ende der Fahnenstange erreicht, und es gibt nicht nur erste Geschäftsaufgaben, sondern das ist leider erst der Anfang einer Welle. Dabei sind es gerade diese Anbieterinnen und Anbieter und nicht die Ladenketten oder der großflächige Einzel-handel auf der grünen Wiese, die das individuelle Gesicht und die Angebotsvielfalt eines gewachsenen Stadtkerns maßgeblich prägen.

In Wedel kommt erschwerend ein Lagemerkmal hinzu, das es manchem Geschäft auch schon vor der Pandemie nicht gerade einfach gemacht hat, und das ist die unmittelbare Nachbarschaft zu Hamburg. Dort stellen alleine schon die grenznahen Stadtteil-Zentren in Blankenese und Rissen, dazu das großflächige Elbe-Einkaufs-zentrum in Osdorf eine massive Angebotskonkurrenz für hiesige Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe dar. Diesen Standortnachteil können wir nicht ändern; aber wir dürfen ihn auch nicht länger verschärfen.

Um nur mal ein konkretes Beispiel zu nennen: Die Inhaberin eines Ladenlokals hat Überbrückungshilfe 3 beantragt; irgendwann, Monate später, erhält sie dann ca. 800 Euro – aber alleine im Januar ist ihr ein Umsatz-Minus von etwa 9.000 Euro entstanden. Da stimmen die Relationen nicht, und durchzuhalten ist das für viele auch nicht mehr, zumal die Lage ja schon seit November andauert. Der Prozess von Geschäftsschließungen ist nämlich spätestens dann, wenn die letzten Ersparnisse, möglicherweise sogar Teile der persönlichen Alterssicherung der „kleinen Höker“ auf-gebraucht sind, unumkehrbar.

Auch die Empfehlung, dass die Läden doch selbst Online-Angebote aufbauen könnten, hilft nur sehr eingeschränkt und beileibe nicht allen. Dagegen stehen Markt-macht und Know-how der großen Online-Anbieter. Zudem ist für viele Menschen das reale Herumstöbern in Geschäften ein geldwerter Teil ihres Einkaufsvergnügens, das sich vor dem PC nicht einstellt.

Der Verödung unserer Innenstädte entgegenzusteuern, gehört seit 1980 zur grünen DNA. Stellt euch vor, Corona wäre vorbei und unsere Innenstädte sind hinüber. Wir brauchen übrigens 2021 und 2022 bei wichtigen Wahlen gute Argumente, wie wir mit diesem Thema umgehen und umgegangen sind!

Setzt euch in Jamaika also bitte aktiv dafür ein, dass hier nicht noch mehr Schaden entsteht, sondern es so schnell wie möglich zu weiteren Lockerungen zugunsten von Einzelhandel und Dienstleistern kommt – natürlich nicht ohne Hygienekonzepte, natürlich unter Einhaltung all dessen, was die Menschen seit Monaten durch- und (erfreulicherweise) in großer Zahl mitgemacht haben. Wenn denn wenigstens wieder die Regelungen aus dem Frühjahr 2020 mit verkaufsflächenabhängiger Begrenzung der Kundenzahl gälten, wäre das schon eine spürbare Hilfe.

Aber macht das dann bitte nicht nur für einzelne Branchen, sondern für alle. Denn sonst fallen trotzdem noch viele Betriebe in den Brunnen, und besonders diejenigen, die man vielleicht gar nicht auf dem Zettel hat, in Wedel etwa ein Modellbahnshop, ein Gebrauchtbriefmarken- bzw. ein Wollhandel. Und gerade solche „Exoten“ sind doch diejenigen, die der Eintönigkeit gewachsener Zentren entgegenwirken.

Außerdem verstehen viele Menschen – wir beiden inklusive – manche Differenzierung in den Verordnungen längst nicht mehr. Weshalb zum Beispiel Friseurgeschäfte ab März wohl wieder öffnen dürfen, Nagelstudios ebenfalls, aber beispielsweise keine nicht-podologischen Fußpflegesalons, erschließt sich nicht wirklich: Von diesen dreien ist doch Letztgenannter derjenige, der bei seiner Arbeit sein Gesicht am weitesten von dem seiner Kunden entfernt lassen kann und eine Übertragungsgefahr bei ihm am geringsten ist.

Es wäre erfrischend, auf diesen Brandbrief Antworten außerhalb der üblichen Presseverlautbarungen von Euch zu erhalten.

Mit grünen Grüßen -
Petra Kärgel (
Vorsitzende des Ortsverbands Wedel),
Olaf Wuttke (
Vorsitzender der Ratsfraktion Wedel)



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