Nächste Leiche im Ökokeller?

Nach Biokraftstoffen scheint nun auch die Umweltfreundlichkeit von Holzpellets zweifelhaft

Das Heizen mit Biomasse aus nachwachsenden Rohstoffen wird in Deutschland immer noch als klimaneutral und nachhaltig gepriesen. Doch diese Art der Wärme- und Energiegewinnung hat sich als janusköpfig erwiesen, da hierzulande weniger Biomasse zur Verfügung steht als einmal angenommen; darauf wies unter anderem die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina bereits 2012 hin. Das gilt auch für die Wärme- und Energieerzeugung durch die Verbrennung von Holzpellets (stäbchenförmiges Pressholz). Die Methode gilt als klimafreundlich und soll im Rahmen der Energiewende dazu beitragen, den CO2 Ausstoß in Deutschland zu senken. Doch die stark gestiegene Nachfrage nach dem Rohstoff Holz hat zu einem Raubbau an der Natur in vermutlich großem Ausmaß geführt.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle fördert nach wie vor den Einbau von Holzpellet-Heizungen mit Anschluss an das Warmwassersystem. Rund 180 000 Holzpellet-Heizungen ließen Privatverbraucher bisher mit Hilfe staatlicher Förderung in ihre Häuser einbauen. Zudem wird in Heizkraftwerken wie dem hessischen „EnergiePellets Hosenfeld“ mit Holzpellets Energie erzeugt. Doch keineswegs bestehen die Pellets überwiegend aus Holzabfällen, was dem ursprünglichen Nachhaltigkeitskonzept entspräche. Auch Restholz aus den Wäldern dient ihrer Herstellung, wodurch dem Waldboden
 wertvolle Mine
ralstoffe entzogen werden. Überwiegend 
kaufen die
 Händler die
 Holzpellets aber 
inzwischen auf
 dem internationalen Markt und 
importieren sie 
nach Deutschland und Europa. So stieg allein der Holzpellet-Export von Kanada nach Europa seit 2005 um 700 Prozent.

Allgemein wird die Herkunft des Holzes verschleiert. Für die Holzpellets ist lediglich ein Zertifikat der Lieferkette zur Qualitätssicherung erforderlich, nicht zur Herkunft des Holzes. Was niemanden bisher zu kümmern scheint: Das importierte Material stammt offenbar großenteils aus Abholzungen. Für den Süden der USA dokumentierte dies kürzlich die US-amerikanische Journalistin Tanya Dimitrova. Einer der größten deutschen Hersteller, German Pellets, betreibt seit 2013 ein Werk in Woodville, Texas/USA. Die dort gefertigten Holzpellets werden komplett nach Europa transportiert, in erster Linie nach Deutschland. Die große Nachfrage führten unterdessen zu einer massiven Verteuerung der Holzpellets, wovon aber vorerst nur der private Nutzer etwas bemerkt hat.

Wie lautete doch der Befund der Leopoldina: Es ist ökologisch unsinnig, einen nachwachsenden Energieträger von weither zu holen, um ihn zentral zu verarbeiten. Doch auch die neue Bundesregierung scheint entschlossen zu sein, diese totale Fehlentwicklung der Energiewende weiterhin stillschweigend zu tolerieren. Aus Angst, die zahlreichen Akteure auf dem Markt für Holzpellets im In- und Ausland zu brüskieren?

Da es offensichtlich ein größeres Zeitfenster gibt, ehe der ökologische Irrsinn allgemein bekannt wird, gehen die Pellet-Produzenten jetzt mit einer Werbekampagne an die Öffentlichkeit, um private Anleger für ihr – vermutlich auf lange Sicht gefährdetes – Geschäftsmodell zu interessieren. Mit einer Postwurfaktion wirbt German Pellets in Norddeutschland für sein Produkt als „saubere, nachhaltige Nutzung von Restholz“. Acht Prozent Zinsen bei einem Mindestanlagebetrag von 2500 Euro verspricht die Genussrechte GmbH. In der Tat kann die Rendite bei dieser Anlageform recht hoch sein. Bei einer Insolvenz gehen die Genussscheininhaber aber leer aus wie kürzlich im Fall des „Ökokonzerns“ Prokon. Ein „Lehrstück über die emotionalen Fallstricke der Geldanlage“ nannte dies der „Spiegel“. Vor allem ist es aber ein Lehrstück darüber, wie der Staat das von ihm selbst kreierte Feld der „Grünen Energien“ einer chaotischen Entwicklung überlassen hat.        

Dagmar Jestrzemski                                             eingestellt von Karin Hz am 5.2.15

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