BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Grüner Ortsverband Wedel

Gewalt gegen Frauen: Wir fordern konsequente Maßnahmen!

Wir freuen uns, dass unsere Veranstaltung „(Häusliche) Gewalt gegen Frauen und Kinder – wie wirkt die Istanbul-Konvention in Schleswig-Holstein und Wedel“ so viele Menschen in die schöne Schulbibliothek der Gebrüder-Humboldt-Schule zog. Das interessierte Publikum hörte sehr aufmerksam den Redebeiträgen der Referentinnen zu und trug mit Diskussionsbeiträgen zur Vertiefung der Problematik und zum Gelingen unserer Veranstaltung bei, die den Finger in die Wunde legte:

Gewalttaten gegen Frauen - auch über digitale Medien - steigen unaufhörlich an.
266.000 Menschen waren 2024 Opfer häuslicher Gewalt, 70 Prozent davon Frauen. 2025 wurden 131.335 Sexualdelikte registriert, 90,7 Prozent der Täter waren männlich. Frauen erleben 4x häufiger als Männer sexuelle Belästigung.
Ein stärkerer Schutz muss somit eine gesellschaftliche Aufgabe von höchster Priorität sein.

Wir Grünen in Wedel wollten von den eingeladenen Fachfrauen wissen, welche Rahmenbedingungen wir auf allen Ebenen brauchen, um der Gewaltspirale ein Ende zu machen.

Allen Teilnehmer*innen gilt unser Dank!

Unsere Referentinnen berichteten, welche Anstrengungen unternommen werden, um in Land, Kreis und Stadt die in Istanbul beschlossene Gewaltschutz- Konvention umzusetzen.

Unsere Grüne Landtagsabgeordnete, Catharina Nies, referierte umfassend über die landesrechtlichen Möglichkeiten, die sie teilweise maßgeblich mitgestaltet hat.
Meilensteine sind u.a.:  Aufbau von Kompetenzzentren gegen geschlechtsspezifische Gewalt, mehr Geld für Aufklärungsarbeit der Frauen und kindgerechte Beratung für betroffene Kinder, Wer schlägt, geht! – Wegweisung der Täter bis zu 3 Monaten, Einführung der elektronischen Fußfessel bei häuslicher und partnerschaftlicher Gewalt, landesweites Rollout von Hochrisikomanagement und vieles mehr.

Yvette Karro, KIK-Koordinatorin des Kreises Pinneberg brachte uns aktuelle Daten aus 2025 mit: In Wedel gab es, angezeigt, 85 Fälle von Häuslicher Gewalt. 80% davon war gegen Frauen gerichtet. Im Kreis gibt es 2 Beratungsstellen: In Elmshorn und in Pinneberg mit insgesamt 3 Vollzeitstellen. Sie arbeiten am Limit, denn der Bedarf im „Dunkelfeld“ ist zehnmal höher. Benötigt seien laut Studie 12 Stellen pro Beratungsstelle. Aber trotz klarer Überbelastung läuft die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt dennoch gut, ebenso wie das Verfahren zum Hochrisikomanagement, bestehend aus Fachleuten mit der Polizei, an dem sie mitwirkt.

Magdalena Drexel berichtete als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wedel über ihre Aufklärungsarbeit in Kitas und Schulen. Des Weiteren präsentierte sie für Wedel Plaketten, die auf 40 öffentlichen Sitzbänken angebracht werden sollen und durch Spenden finanziert wurden. Auch unser Grüner Ortsverband befindet sich unter den Sponsoren dieser barrierearmen Hilfestellung. Über einen QR-Code führen die silbernen Plaketten von Gewalt Betroffene zum Hilfesystem für hilfesuchende Frauen.
Frau Drexel machte zusätzlich auf das Problem der fehlenden 500 bezahlbaren Wohnungen für Haushalte aufmerksam, die zum Beispiel schon ewig in stressig-beengten Wohnverhältnissen leben oder im Frauenhaus dringend auf freien bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind.

Hier der Link zur Übersichtsseite für Hilfsangebote in Wedel: www.wedel.de/gewalt-hilfe

Astrid Otto, Mitarbeiterin des Autonomen Frauenhauses in Wedel erklärte uns, dass das Wedeler Frauenhaus 15 Plätze für Frauen ihre Kinder zur Verfügung hat. Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit sie vor Verfolgung durch ihre gewalttätigen Männer oder Väter zu schützen, kämen diese Bewohnerinnen aus anderen Gemeinden und nicht aus Wedel. Das Frauenhausnetzwerk sorge für eine anonyme Verteilung im ganzen Land. Leider ist es wieder der Mangel von bezahlbarem Wohnraum, der dazu führe, dass die Verweildauer über dem tatsächlichen Schutzbedarf liege und notwendige Plätze blockiere.

Für welche Rahmenbedingungen können wir uns in politisch Wedel einsetzen, um der Gewaltspirale etwas entgegen zu setzen?

  • Auf Kreis-Ebene sollte einen Antrag beim Land gestellt werden, ein neues Kinderschutzzentrum bereitzuhalten, z.B. bei „Wendepunkt“
  • Sozialen Wohnungsbau fördern und das kommunale Belegungsrecht fordern, ausbauen und konkretisieren
  • Bei der Planung von Neubauten dunkle Ecken ausleuchten, im Bestand die Ausleuchtung verbessern
  • Bei jedem Ratsbeschluss Gewaltschutz mitdenken
  • Noch stärkere dauerhafte Veröffentlichung von Hilfsangeboten, z. B. über eine stadtbekannte Website
  • Schweigeminute bei jedem Femizid

Wir bleiben engagiert am Thema dran!

Text: Bärbel Sandberg, 27.4.26



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