Black Friday für das teuerste Stück Wedel

Mitte 2018 hatten Edmund Siemers und Stephan Bracker im Planungsausschuss ihr Konzept für eine dauerhafte Hafennutzung vorgestellt, für das sie – was selten genug der Fall ist – viel Geld mitzubringen bereit waren, und sie waren auch bereit, gewünschten Anpassungen an die Vorstellungen von Politik und Verwaltung nachzukommen.

Es gab allerdings auch einzelne Bedingungen, ohne die sie ihr Konzept aus fachlichen wie finanziellen Gründen für nicht realisierbar hielten. Dazu zählte insbesondere eine Anbindung an die Ostmole. Nach einer sich zunächst abzeichnenden breiten Zustimmung gewannen aber in den folgenden Monaten zunehmend Bedenkenträger und unrealistische Vorstellungen einer zukünftigen Hafennutzung die Oberhand.
Die einen hatten die Idee, man könne dem benachbarten Hamburger Yachthafen ernsthaft Konkurrenz machen; andere träumten davon, dass sie von ihren Eigentumswohnungen nebenan zukünftig auf eine Riviera-Marina mit schneeweißen Segeln blicken könnten.

An den folgenden Gesprächen beteiligte Bürgermeister Schmidt lediglich die Vertreter zweier Fraktionen (CDU und FDP), obwohl die Investoren darum gebeten hatten, zusätzlich wenigstens den Planungssprecher der GRÜNEN mit einzubeziehen, weil der das Konzept ihrer Meinung nach grundsätzlich verstanden habe, ohne es völlig unkritisch zu sehen. Diese unrepräsentative Troika hat nun den Karren gegen die Wand gefahren. Insbesondere auf Drängen des FDP-Vertreters stand am Ende die ultimative Forderung einer ausschließlichen Anbindung an der Westmole. Ergebnis der exklusiven Runde: Alle gucken in die Röhre, denn leider gilt auf unabsehbare Zeit „Investor vergrault, Hafenbecken leer“.

Dazu bemerkt Olaf Wuttke, unser Grüner Fraktionsvorsitzende: Man kann ein Projekt auch mit unrealisierbaren Forderungen verhindern. Dabei waren Siemers und Bracker sogar bereit, auch die Westmole mit einzubeziehen – das aber nicht ausschließlich. Der Bürgermeister hingegen hat diese Chance nicht genutzt, sondern sich „erfolgreich“ hinter der Politik, jedenfalls einem handverlesenen Teil davon, versteckt und wäscht seine Hände nun in Unschuld. Ich mag mir gar nicht vorstellen, dass Herr Schmidt so auch mit potentiellen Investoren im Business Park umspringt. Es wird eh immer schwerer, die Millioneninvestitionen in die Hafensanierung zu rechtfertigen. Aber wenn dann überhaupt keine nennenswerte wasserseitige Nutzung erfolgt, ist das bloß Wasser auf die Mühlen der Kritiker – und ob die erhoffte Attraktivitätssteigerung Wedels so funktioniert, ist zu bezweifeln. Ein megateurer, aber leerer Hafen klingt eher nach Schilda.

Olaf Wuttke, Fraktionsvorsitzender, 27.01.2020; Foto: Petra Kärgel

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